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Über POLNISCHE PERLEN

Selten hat das freie Theaterensemble Werkgruppe 2 so unwiderlegbar beweisen können, warum es vernünftig ist, so nachhaltig auf der Interpretation der eigenen Recherchen durch Schauspieler zu beharren. "Polnische Perlen", die jüngste szenische Untersuchung an den Brennpunkten des Alltags, wäre als einfache Dokumentation mit "Betroffenen" auf der Bühne schlicht undenkbar. Es ist gerade die Art der Darstellung, die das Stück zum Ereignis macht.  (…) vom Wohlstandsgefälle im reichen Europa erzählt dieser Abend. Vielleicht verstummt sogar der eine oder die andere vor diesen Geschichten - oder besser: widerspricht, wenn mal wieder beiläufig von "Sozialschmarotzern" die Rede ist. Die Frauen und Männer, die hier zu Wort kommen, erzählen etwas anderes. Taz, Michael Laages

Selten sind in nicht-dokumentarischen Produktionen so präzise Figuren-Portraits zu bestaunen. Dabei zahlt sich aus, dass Roesler sich traut, auf die scheinbar obligatorischen Regietheater-Brüche zu verzichten. Ihre Schauspieler verkörpern immer eine Figur. Sie treten niemals aus der Rolle und kommentieren das Geschehen nicht aus einer scheinbaren Privatheit. Beim Zusehen und Zuhören kann so einer Art magische Realität entstehen. Gerade weil nicht reale Menschen auf der Bühne stehen, funktioniert die Empathie - zum Schluss haben etliche Zuschauer Tränen in den Augen. Nachtkritik, A. Kohlmann

Die lakonisch leicht schwebende Inszenierung wird dabei durch die zutiefst melancholische, fast katatonisch anmutende Musik von Komponistin Insa Rudolf unterstützt. Jürgen Jenauer, NDR Kultur

Entstanden ist eine atmosphärisch dichte Inszenierung, die die prekäre Situation der Polnischen Perlen mit sinnlicher Genauigkeit ausstellt. Sehnsucht nach der Familie in der Heimat, Überforderung, Scham bis Ekel bei sich einkotenden Patienten, die rechtliche und soziale Unsicherheit, die letztlich schlechte Bezahlung. Die Inszenierung erzählt zwar nichts, was man nicht irgendwie schon zu wissen glaubte, doch wie sie es erzählt, das setzt sich fest im Betrachter.    Deutschlandradio Kultur  Kulturtipp, Hartmut Krug

Dem Abend gelingt es, Journalismus und Theater zu verbinden und die Zuschauer emotional zu berühren. Ein Kunststück, das im Genre das Dokumentartheaters keineswegs verständlich ist. Deutschlandradio Kultur, Fazit, Alexander Kohlmann

 

Über SOLDATEN

Deutschlandfunk/ Hartmut Krug
In Göttingen haben eine Regisseurin und zwei Dramaturginnen aus Interviewmaterial ehemaliger deutscher Soldaten im Ausland ein Stück gemacht - ein beunruhigend ruhiger, konzentrierter Abend.
... klugerweise wird nicht versucht, eine Kriegsatmosphäre zu schaffen, sondern es wird einfach ein Gefühl von Fremdheit und leichter Ungemütlichkeit hervorgerufen...
Nicht anklagend, nicht effekthascherisch, nicht mit uflerlicher Beeindruckungsgestik wird all dies vorgestellt, sondern in einem ruhigen szenischen Nachdenken.


Nachtkritik/ Michael Laages
Die in Göttingen bereits mit einem Projekt über das nahe gelegene Grenzdurchgangslager Friedland nachhaltig aufgefallene Regisseurin Julia Roesler hat daraus (aus Soldateninterviews) einen ebenso eindrucksvollen wie beunruhigenden, in mancherlei Hinsicht schwer erträglichen Theaterabend geformt  in grandiosem Ambiente.
Die Göttinger "Soldaten" sind ja nur so krank wie die Gesellschaft, die sich ihrer bedient, um eine politisch strittige Rolle zu spielen im Gefüge der globalisierten Welt; sie sind arme Schweine, und manchmal sind sie selbst schuld daran.
Gegen¸ber vom Ausgang der Salinenhalle liegt ein einsamer Kranz: von einem Veteranen-Verein; für einen, der vor zwei Jahren in Afghanistan starb.

Deutsche Welle/ Jürgen Jenauer
Körperlich erschöpft, seelisch gebrochen, jahrelang an den Erinnerungen an diese Extremsituationen leidend kommen viele deutsche Soldaten aus den Auslandseinsätzen zurück. Regisseurin Julia Roesler sagt, das Stück sei nicht nur vor dem Hintergrund des Libyen-Konflikts aktuell, es solle auch verdeutlichen, wo überall in der Welt deutsche Soldaten kämpfen und gekämpft hatten - und oft nicht mehr wissen, wofür eigentlich.
Zwischen zehntausenden leeren Patronenhülsen deklamieren die Schauspieler ihre Texte. Mehr Bühnenbild braucht es nicht im alten Speicher der Saline Luisenhall, in der die Aufführung stattfindet. Die Stimmung ist fast gespenstisch ruhig und nachdenklich. Was ist aus den Männern geworden, die dieses Land in den Krieg geschickt hat?

Deutsche Bühne/ Jens Fischer
Aktuelle Dramentexte über Probleme, derzeit fürs deutsche Militär zu arbeiten, sind auf Spielplänen nicht zu finden. Machte sich die Göttinger Werkgruppe 2 um Regisseurin Julia Roesler an ein Tabuthema? „Dass nach den Erfahrungen mit der Wehrmacht seit 15 Jahren schon wieder weltweit deutsche Soldaten diverse Kriege führen, das verdrängt man halt gern“, erklärt Roesler. (…) Da sonst keiner mit Soldaten redet, reden sie jetzt aufs Publikum ein. Von den Gründen der Jobwahl, dem überfordernden Arbeitsalltag, der rohen Brutalität des Krieges ist zu erfahren, von irreparablen Verletzungen an Leib und Seele und den vergeblichen Kämpfen um Entschädigung. (…) Dann spendieren die Mimen den Zuschauern zwei Kisten „Göttinger“-Pils. Geschenke stimmen freundlich, Alkohol sediert. Das nutzt Roesler heimtückisch, um nun die übelsten Sentenzen darzubieten – wie Hass auf Moslems, Gewaltgeilheit, Terrorfantasien, Homophobie. Beängstigend authentisch.

 

Über ROTLICHT

NDR Kultur

Eins vorweg - "Rotlicht" ist ein herausragend gutes Theaterstück! Schon das Bühnenbild ist grandios: Ein riesiges, in rotes Licht getauchtes Schaufenster, im Hintergrund mit einer Art Perlenvorhang abgetrennt. Davor sitzt das formidable Trio, das live mit Klavier, Cembalo und Cello den Soundtrack zur Studie aus dem Protituiertenmilieu liefert, mal melancholisch, mal lasziv-zynisch. (...) Es sind teilweise tragische Schicksale, die jedoch mit einer lakonischen Leichtigkeit erzählt werden. Dabei ist das Stück auch immer wieder höchst unterhaltsam, Regisseurin Julia Roesler beweist ein sicheres Händchen für die Balance aus guten Gags und emotional tief anrührenden Momenten - in denen es still wird im Saal. (...) "Rotlicht" wirft einen tiefen Blick auf das älteste Gewerbe der Welt und die Menschen dahinter. Und was noch wichtiger sein mag, das Stück wirft auch einen Blick auf so manchen Abgrund in unserer Gesellschaft. "Rotlicht" ist ein ganz großer Wurf, in Göttingen dankten das die Zuschauer mit minutenlangen Standing Ovations.

dpa
Die Aufzeichnungen der Interviews mit den Prostituierten waren die Grundlage für das Dokumentations-Stück, das die unterschiedlichsten Facetten der Prostitution beleuchtet. In der musikalisch untermalten Milieustudie schildern die Frauen, wie sie tagtäglich ihr Geld verdienen, wie sie zu dem Beruf gekommen sind, was sie auszustehen haben, wovon sie träumen. (...) Man müsse sich bewusst machen, dass Prostitution nicht grundsätzlich mit Menschenhandel verbunden sei, sondern für Frauen aus osteuropäischen Ländern oft der einzige Weg aus der Armut sei, meint die Regisseurin. Wie erniedrigend udn voller Pein dieser Weg sein kann, wird klar, als die Schilderungen junger Frauen aus Rumänien nachgespielt werden: Sie sind in Flatrate-Bordellen gelandet, in denen Männer für 120 Euro 12 Stunden lang bekommen, was sie wollen.

 

Über ZIRKUS

NDR Kultur, 09. Juni 2012
Das Stück „Zirkus“ zeigt eine Welt, die normale Leute eigentlich nur von außen kennen. Die Seite, die bunt ist und glitzert, in der wagemutige Artisten hoch über den Köpfen der Zuschauer atemberaubende Kunststücke aufführen. Doch dahinter steckt jede Menge Arbeit, ein ständiges Leben auf der Straße, Kinder die nie wirklich zur Schule gehen und die Angst, dass es irgendwann einfach nicht mehr reicht […]
Das Stück rührt an, ist sehr  komisch, oft melancholisch und meistens auch ziemlich skurril. In einem sind sich Zirkusleute und Theatermacher übrigens ähnlich: Sie alle kämpfen um die Gunst des Publikums. Das ließ mit minutenlangen Standing Ovations bei dieser Premiere  keinen Zweifel daran, wem sie gehört.

HNA, 11. Juni 2012
Das Stück lebt dabei von einem fantastisch inszenierten Wechsel zwischen Witz und Verletzlichkeit, etwa wenn beim Frühstück aus einem Ei plötzlich ein Elefant schlüpft und im nächsten Moment ein Mitglied der Zirkusfamilie von seiner Angst vor den riesigen Tieren berichtet.[…]
Und dann ist da die Musik. Mal behutsam, mal unangenehm laut umspielt sie die Erzählungen der Schauspieler und schafft dabei stets die passende Atmosphäre, sei es durch Gesang (großartig: Insa Rudolph) oder den dünnen Klang einer Säge. Sie öffnet die Augen für das Seelenleben der Zirkusmenschen, die ernüchtert sind von der Härte des Lebens und dennoch nicht aufhören zu träumen: Vom Applaus, der Bewunderung, der eigenen Unsterblichkeit.
Standing Ovations für eine herausragende Inszenierung.

DLF, 10. Juni 2012
Wieder hat Julia Roesler vor allem recherchiert, hat authentische Geschichten von Zirkusmenschen zusammengetragen und montiert; deren Stolz und deren Melancholie prägen diese kleine Theater-Fantasie ähnlich stark wie, natürlich, die Musik nach Zirkus-Art […]
Die Göttinger Inszenierung erzählt in den Geschichten aus dem wenig glamourösen Alltag natürlich auch vom chronisch schlechten Ruf des "fahrenden Volks" und streift Themen wie den seit einiger Zeit latenten Streit mit fundamentalistischen Tierschützern; und doch sucht sie immer vor allem den magischen Moment, auch im tristesten Alltag, mit nicht viel mehr als Nichts und kleinen Tricks, Kostümen und einem Wohnwagen.
Manchmal ist sie diesem Zauber sogar wirklich auf der Spur.

 

Über FRIEDLAND

Deutschlandradio/ Ulrich Fischer 

FRIEDLAND heißt das Stück, Land des Friedens. Friedland, in des Wortes verwegenster Bedeutung. Ein junges, leistungsstarkes Ensemble. Überragend. Eine lange Anreise lohnt sich. Besser als so manche documenta.