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POLNISCHE PERLEN. Ein Dokumentarstück über osteuropäische Pflegekräfte 

Selten hat das freie Theaterensemble Werkgruppe 2 so unwiderlegbar beweisen können, warum es vernünftig ist, so nachhaltig auf der Interpretation der eigenen Recherchen durch Schauspieler zu beharren. "Polnische Perlen", die jüngste szenische Untersuchung an den Brennpunkten des Alltags, wäre als einfache Dokumentation mit "Betroffenen" auf der Bühne schlicht undenkbar. Es ist gerade die Art der Darstellung, die das Stück zum Ereignis macht.  (…) vom Wohlstandsgefälle im reichen Europa erzählt dieser Abend. Vielleicht verstummt sogar der eine oder die andere vor diesen Geschichten - oder besser: widerspricht, wenn mal wieder beiläufig von "Sozialschmarotzern" die Rede ist. Die Frauen und Männer, die hier zu Wort kommen, erzählen etwas anderes. taz, Michael Laages

Bis vor einigen Jahren verließen fast nur Männer Heimat und Familie, um im Ausland Geld zu verdienen, im Straßenbau, in der Schwerindustrie oder auf dem Feld. In der New Economy hat sich das Bild verkehrt, scharenweise Frauen strömen auf den globalen Arbeitsmarkt, um in der Betreuungsindustrie zu arbeiten. Fürsorge und Liebe gelten als weibliche Domäne, und dafür bezahlen die Menschen in den Industriestaaten. Durch die demographische Entwicklung entsteht ein neuer Bedarf an Betreuungspersonal: Immer mehr Pflegerinnen reisen aus Osteuropa nach Deutschland, um hier alte Menschen zu betreuen, häufig in einem 24 Stunden Service, 7 Tage die Woche.

Für das Projekt hat die werkgruppe2 in einem der größten deutschen Niedrig-Lohn-Bereiche recherchiert, der häuslichen 24-Stunden-Pflege. Wir haben osteuropäische Frauen und Männer interviewt, die jeweils über Jahre hinweg für einige Monate pflegebedürftige alte Menschen rund um die Uhr in deren Privathaushalten in Deutschland betreuen. Meist ein ausbeuterisches, aber geduldetes Arbeitsverhältnis, das aus einer gegenseitigen Not entsteht: dem geringen und schlechtbezahlten Arbeitsangebot im europäischen Osten und dem Mangel an einer bezahlbaren häuslichen Pflege in Deutschland, die einhergeht mit dem Wunsch, die Familienangehörigen nicht zu belasten. Und wer von uns möchte nicht in den eigenen vier Wänden alt werden?

 

Regie: Julia Roesler Bühne: Julia Schiller Kostüme: Dorothea Hoffmann Musik: Insa Rudolph Dramaturgie: Silke Merzhäuser, Axel Preuss

Mit: Philipp Grimm, David Kosel, Franziska Roloff, Matthias Schamberger, Nientje Schwabe, Fanny Staffa und den Musikerinnen Insa Rudolph, Katharina Pfänder, Kristina van de Sand, Lisa Stepf (Quartett plus 1)

Premiere: 20.März 2014 um 19.30 Uhr

Kleines Haus, Staatstheater Braunschweig, Tickets

Weitere Vorstellungen: 25. + 27.3., 4. + 11.4.; 14. + 18.5., 5. + 7.6.2014