IM DORF 2018

Früher gab es in jedem Dorf eine Gaststätte, heute stehen diese leer oder werden nur noch bei Beerdigungen genutzt. 
Die neue Inszenierung von werkgruppe2 IM DORF wird in solchen Gaststätten entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze in Niedersachsen und Thüringen gezeigt. Wir erzählen darin die Geschichte von Beate und Asan - ein junges Paar, das wir zwei Jahre lang begleitet und interviewt haben. Die junge Frau ist Tochter von Besitzer einer Dorfgaststätte und hat sich in Asan, einen minderjährigen syrischen Flüchtling verliebt. Nun bekommen die beiden ihr erstes Kind und ziehen zusammen in das Heimatdorf der Frau zurück - der junge Mann ist dort 'der erste Ausländer'.

Was passiert, wenn ein junger Geflüchteter auf solch eine Familien- und Dorfgemeinschaft stösst, die sich in ihrer Unterschiedlichkeit und mit ihren Widersprüchen arrangiert hat? Welche Erinnerungen an eigene Nicht-Fluchtgeschichten löst das neue Familienmitglied aus? Welche Fragen von Identität, Gastfreundschaft und Zukunftsglauben werden plötzlich neu gestellt?

 

 

Mit ihrem glaubhaftem Spiel zwischen Euphorie, Leichtigkeit, Kummer und Durchhaltewillen schaffen Leistikow und Kiki eine intensive Atmosphäre. Schön auch, wenn sie mit den Masken in andere Rollen schlüpfen. Leistikowbeispielsweise als zufriedener, jovialer Bürgermeister: „Unser Ort kann nicht besser sein.“ Flüchtlingsfamilien integrieren? Ja sicher, aber was sollen die im ländlichen Raum? In der Stadt haben die es doch besser. (...) Die Werkgruppe zeigt mit ihrer sehenswerten Inszenierung ein Stück schwierige Realität.
Göttinger Tageblatt 28.09.2018

Raus aus Göttingen, hinein ins sanft auf- und abwellende Eichsfeld, dorthin, wo einst Sackgassendörfer an der Westseite der DDR-Grenze und ihre Ost-Pendants in der 5-Kilometer-Sperrzone vor sich hin darbten. Heute schlängelt sich der ehemalige Todes- als schmucker Grünstreifen durch den ländlichen Raum. Genau dort versucht das freie Theater Werkgruppe2 prototypisch die Gefühlslage der Nation zu dokumentieren – inklusive Denkbewegungen und -verweigerungen. (...) So wird aus der Integrationsdoku das Drama einer die Alltagsrealität übertrumpfenden, ihren Gesetzen dann aber doch erliegenden Liebe. Das Private scheitert als Politikum, bei diesem künstlerisch überzeugenden Abstecher in die Provinz.
taz, 5.10.2018

Das Schreckliche an der Realität, wie sie sich „Im Dorf“ widerspiegelt, meint eben nicht nur Vorurteile, rassistische Aussetzer, unterschiedliche Erfahrungswelten oder die Frage, wie eine gemeinsame Verständigung darüber gelingen kann. Dieser Abend erzählt noch so viel mehr über ein Paar, dass bei all den Hindernissen, die es bewältigen will und muss, einfach allein gelassen wird. Da ist kein Zuspruch in Sicht und auch keine Ermutigung. Vielleicht ist das ja auch ein Thema, das bei den Publikumsgesprächen zur Sprache kommt, die die Werkgruppe 2 bei ihrer Tour durch die Dörfer der Region nach den Vorstellungen führen möchte. 
Kulturbüro Göttingen, Tina Fibiger, 30.09.2018

Premiere 
27.09.2018
Obernfeld
Museumskrug

28.09. Obernfeld
29.09. Gelliehausen
18.10. Wehnde
19./20.10. Lenglern
25.10. Gladebeck
26.10. Siemerode
27./28.10. Rüdershausen
04.11. Ferna
15.11. Friedland
16./17.11. Nesselröden
24.11. Ecklingerode

Uhrzeit: 19:30 Uhr
Dauer:100 min

Vorverkauf:
info@werkgruppe2.de
0551 / 3 89 01 61

Regie 
Julia Roesler

Recherche
Silke Merzhäuser/ Julia Roesler

Ausstattung 
Lea Dietrich

Dramaturgie
Silke Merzhäuser

Mit
Elisabeth-Marie Leistikow
Ahmad Kiki

Esra Dalfidan (Gesang)
Uli Genenger (Schlagzeug)

Regieassistenz
Swantje Möller

Moderation/ wissenschaftl. Begleitung
Stefanie Hauser

Licht
Ewa Górecki

Technik
Anton Säckl

 

 

 

Video/ Fotos: Lea Dietrich