IM DORF 2018

Vor einem Jahr haben wir mit einer Langzeit-Recherche begonnen. Darin folgen wir der Geschichte eines jungen Paares in einem ostdeutschen Dorf an der ehemaligen Grenze: die junge Frau, Tochter der Besitzer der Dorfgaststätte, hat sich in einen minderjährigen syrischen Flüchtling verliebt. Nun bekommen die beiden ihr erstes Kind und ziehen zusammen in das Heimatdorf der Frau zurück - der junge Mann ist 'der erste Ausländer' im Dorf. Während des ersten Jahres haben wir vor allem Gespräche mit der jungen Frau und ihrem Freund und mit den Eltern geführt: Was passiert, wenn ein junger Geflüchteter auf solch eine Familien- und Dorfgemeinschaft stösst, die sich in ihrer Unterschiedlichkeit und mit ihren Widersprüchen arrangiert hat? Welche Erinnerungen an eigene Nicht-Fluchtgeschichten löst das neue Familienmitglied aus? Welche Fragen von Identität, Gastfreundschaft und Zukunftsglauben werden plötzlich neu gestellt?

Nun folgt im Herbst eine Inszenierung, die vom Dorf erzählt und auf verschiedenen Dörfern im Landkreis gezeigt wird. 

"Heute ist alles so weit."

Im vergangenen Herbst haben wir in einer theatralen Hörinstallation bereits erste Ausschnitte aus den Interviews des ersten Jahres präsentiert.

"Mit der Tochter (Isabelle Stolzenburg) sitzen die drei Theaterbesucher in ihrem Zimmer, das eher wie ein Kinderzimmer wirkt und nicht wie die Unterkunft einer jungen Frau, die bald Mutter wird (Ausstattung: Léa Dietrich). Eng ist es hier, man ist sich nahe. Das Mädchen erzählt. Mit dem Vater (Carsten Hentrich) ziehen wir um die Häuser. Er zeigt eine Baustelle und redet von den Nachbarn. Auch er sucht die Nähe und spendiert Grillwurst und Korn aus der Flasche. Die Eichsfelder sind gastfreundlich. Das merken wir auch bei der Mutter (Franziska Roloff) in der Küche. Sie schmiert deftige Stullen, lecker, aber nicht jedermanns Sache. (...) In einem Jahr soll aus dem Hörinstallations-Spaziergang ein ganzes Stück erwachsen sein. Das Zwischenergebnis macht sehr neugierig."  GÖTTINGER TAGEBLATT, Peter Krüger-Lenz

Premiere

27.09.2018

Regie 
Julia Roesler

Recherche
Silke Merzhäuser/ Julia Roesler

Ausstattung 
Lea Dietrich

Dramaturgie
Silke Merzhäuser

Mit
Elisabeth-Marie Leistikow
Ahmad Kiki

Esra Dalfidan (Gesang)
Uli Genenger (Schlagzeug)

Projektassistenz
Amelie Gohla

Moderation/ wissenschaftl. Begleitung
Pia Wagner

 

Video/ Fotos: Lea Dietrich

gefördert durch